Pressekonferenz

"Dachverband der Burgenländischen Frauen-, Mädchen- und Familienberatungsstellen"

Mittwoch, 5. März 2008, 10.00 Uhr

Frauenberatungsstelle Oberpullendorf

7350 Oberpullendorf, Spitalstrasse 11

 

Doris Horvath, GFin der Frauenberatungsstelle Oberpullendorf:

Warum ein Dachverband?

Seit knapp 20 Jahren gibt es die Frauenberatungsstellen mit ihrem umfassenden Serviceangebot im Burgenland.

Als einziges österreichisches Bundesland weist das Burgenland eine große Dichte an qualitativ hochwertigen Informations-, Beratungs- und Serviceleistungen für Frauen und Mädchen auf.

Vier Frauenvereine sorgen mit sechs Frauenberatungsstellen seit langem für kontinuierliche Angebote für Frauen und Mädchen in den Regionen, haben Netzwerke aufgebaut und forcieren den öffentlichen Diskurs über frauenpolitische Themen. Alle Einrichtungen werden jährlich von tausenden Frauen und Mädchen kontaktiert, die burgenländischen Frauenberatungsstellen gelten längst als Kompetenzzentren für Frauenfragen und als nicht mehr wegzudenkende Bestandteile der burgenländischen Beratungslandschaft.

Von Anfang an gab es eine enge Kooperation quer durch unser Land, Vernetzung und gemeinsames Arbeiten war uns immer wichtig.

Der wirtschaftliche Druck auf unsere Einrichtungen steigt immer mehr, allein mit den Subventionen von Bund und Land können wir unseren Betrieb nicht mehr aufrecht erhalten. Daher suchen wir schon seit Jahren nach zusätzlichen Finanzierungsmöglichkeiten in Form von Projekten: Schulprojekte, Mädchen- projekte, Gesundheitsprojekte, EU-Projekte und Vieles mehr.

Um gemeinsame größere, landesweite Projekte abwickeln zu können (wie z.B. EU-Projekte) haben wir uns nun zur Gründung dieses Dachverbandes entschieden. So können wir gemeinsam Unterlagen erstellen, einreichen und bearbeiten.

Zudem sind wir auch immer mehr eingeladen, die Frauenberatungsstellen in Beiräten, Ausschüssen oder anderen Gremien zu vertreten. Auch dafür ist die Struktur einer gemeinsamen Plattform, eben eines Dachverbandes, hilfreich.

Geplant ist auch die Errichtung einer gemeinsamen Website und gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit.

Dadurch können wir auch den Frauen und Mädchen im Land verstärkt eine Plattform bieten, sich Rat und Hilfe zu holen, sich weiter zu bilden, zu qualifizieren oder ihre Ideen gemeinsam mit uns weiter zu entwickeln.

 

 

Renate Holpfer, GFin der Frauenberatungsstellen Oberwart + Güssing:

Der Arbeitsschwerpunkt unseres Dachverbandes heißt: FRAU-MACHT-GELD

Seit ihrer Gründung sind die Frauen-, Mädchen- und Familienberatungsstellen des Burgenlandes damit konfrontiert,

  • dass das Einkommen von Frauen durchschnittlich niedriger ist, als dass der Männer,

  • dass Frauen 2/3 der unbezahlten Arbeit leisten.

  • dass Frauen die Hauptverantwortung und die Hauptlast im Hinblick auf Beziehungs- und Familienarbeit, sowie an Kindererziehung und Pflege tragen,

  • dass Doppel- und Mehrfachbelastungen, sowie Stress, Versagens- und Existenzängste Frauen bedrücken, frustrieren und krank machen

  • dass Frauen aufgrund ihrer prekärer Finanzlagen kaum Spielräume für Veränderungswünsche haben.

All diese Tatsachen garantieren, dass die Mehrzahl der Frauen mit häuslichen Aufgaben und Teilzeitberufstätigkeit mehr als ausgelastet sind und weder Zeit, noch Kraft für öffentliches Engagement und den Kampf um einflussreiche Positionen aufbringen können.

Von 171 BürgermeisterInnen sind 6 weiblich. Eine Landeshauptfrau hatte das Burgenland noch nie. Von den 36 Abgeordneten zum burgenländischen Landtag, sind 8 weiblich. Das Burgenland hat eine einzige Bezirkshauptfrau.

All diese Dinge decken sich mit dem EU-Genderbericht, der in den letzten Wochen hinlänglich besprochen wurde und der Österreich im Hinblick auf die Gleichbehandlung gar kein gutes Zeugnis ausstellt.

Der Arbeitsschwerpunkt FRAU-MACHT-GELD wird folgendes beinhalten:

  • Eine Informationsbroschüre, die Frauen auf wirtschaftliche und kulturelle Fallen in finanzieller Hinsicht aufmerksam machen soll (z.B.: im Hinblick auf Bürgschaften)

  • Frauengespräche über Einstellungen, Regeln und Gesetze die ungleiche Verteilung von Einkommen, Macht und materiellen Gütern zwischen Frauen und Männern begünstigen aber auch über Strategien, die Frauen im Laufe der Zeit entwickelt haben, um prekäre Lebenslagen zu überwinden und auf ihre Weise Geschäfte zu machen,

  • Sonderausgaben der Frauenzeitschrift ?JOSEFA? zur Dokumentation und zur Illustration unterschiedlicher Blickwinkel auf das Thema und

  • einen Frauenkongress der auch aufzeigen soll, welche Kompetenzen unserer Gesellschaft verloren gehen, wenn Frauen weiterhin aus Wirtschaft und Öffentlichkeit verdrängt werden.

Als Auftakt wird morgen Abend im Rahmen der Frauentagsveranstaltung die wir gemeinsam mit dem AMS Oberwart, in dessen Räumen organisiert haben, die Ausstellung ?Frauen verdienen mehr? eröffnet und der gleichnamige Film vorgeführt.

 

Mag.a Angelika Kröpfl, Sonder- und Heilpädagogin der Frauenberatungsstelle Neusiedl/See

Beratungsschwerpunkt Kinder und Familien

Die Berichte der letzten Jahre zeigen sehr eindeutig, dass immer mehr KlientInnen das Angebot unserer Beratungsstellen in Anspruch nehmen. Wir versuchen, möglichst viele Themenbereiche abzudecken und arbeiten daher auch in interdisziplinären Beratungsteams (Sozialarbeiterinnen, Wirtschafts- pädagoginnen, Klinische und Gesundheitspsychologinnen, Sonder- und Heilpädagoginnen, Juristinnen, Psychotherapeutinnen, etc.).

Weiters verstehen wir uns aber auch als Informationsdrehscheiben, um KlientInnen, die nicht in unsere Betreuung aufgenommen werden können, andere Anlaufstellen nennen zu können. Daher arbeiten wir eng vernetzt mit zahlreichen anderen Ämtern und Einrichtungen (z.B. Jugendamt, Interventionsstelle gegen Gewalt, Gendarmerie, PSD, etc.), die unser Angebot ergänzen, aber auch um in konkreten Fällen auf die institutionalisierte Vernetzung zurückgreifen zu können.

Ein Schwerpunkt in der Familienberatung ist die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, die von Scheidung/Trennung, Tod, physischer, psychischer und sexueller Gewalt betroffen sind. Diese meist traumatischen Lebensereignisse sind mit Angst und schmerzenden Verletzungen des Selbstwerts verbunden und ziehen eine Bandbreite an psychosomatischen Erkrankungen nach sich. In der Überzahl sind die von Scheidung/Trennung betroffenen Kinder. Diese stehen oft zwischen den Fronten und sind Leidträger. Wut, Aggression, Trauer, Kränkung, Machtansprüche, Resignation und Bestrafungstendenzen der Eltern fallen auf sie ab. Langandauernde Konflikte erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass Entwicklungsstörungen bei Kindern auftreten. Sie leiden unter Trennungsängsten und sind verzweifelt, wenn ihre Bemühungen zur Wiederherstellung des ursprünglichen familiären Zustandes keine Früchte tragen. Manchmal muss das Kind eine Funktionsrolle übernehmen, beispielsweise als PartnerInnenersatz oder SeelentrösterIn eines Elternteiles, was zur Überforderung, Affekt- und Verhaltensänderungen usw. führen kann. Oft richten die Kinder ihre Wut und Aggression gegen ihre Eltern und zeigen diese in Form von Lügen, Diebstahl, Zündeln oder Zerstörung von Gegenständen. Die geschiedenen/getrennten Eltern beeinflussen ihre Kinder bzw. deren Willen auf verschieden Art und Weise. Einerseits durch Versprechen von Vorteilen (Geschenke) und andererseits durch anklagende und abwertende Bemerkungen bzw. Verdächtigungen über den anderen Elternteil. Die Kinder befinden sich in einem Zustand höchster Irritation und sind seelisch und psychisch aus dem Gleichgewicht.

Jede Familie, die von dieser Problematik betroffen ist, muss mit beträchtlichen Veränderungen und Einschränkungen des Lebensstandards rechnen. Es handelt sich dabei auch um komplizierte Vorgänge der Loslösung, des Loslassens, des Nicht-Loslassen-Könnens und des schmerzhaften, meist verletzenden Freikämpfens von engen Beziehungen. Ohne Hilfe Dritter sind Scheidungseltern oft überfordert und wenn sich die Situation im Scheidungs-/Trennungskonflikt zuspitzt, versagt meist eine vernünftige Elternschaft. In diesem Zusammenhang nimmt Beratung eine Schlüsselposition ein.  Die Beratungsstelle soll ein Schutzraum für Eltern und deren Kinder sein, in dem auch aggressive und depressive Affekte ausgedrückt werden können, Informationen über Sorgerechts-, Besuchsrechts und Unterhaltsfragen ausgetauscht werden können und eigenverantwortliches Handeln bei nachehelicher Elternschaft gelernt werden kann. Natürlich tragen die Erwachsenen die Verantwortung für die physische und psychische Gewalt an ihrem Kind.

Wir freuen uns, vielen Frauen und Familien eine Unterstützung in schwierigen Situationen zu sein und hoffen, dass unsere SubventionsgeberInnen unsere Arbeit weiterhin finanziell unterstützen, damit wir auch in den nächsten Jahren für viele ein Lichtblick sein können.

Design & Umsetzung von Alex Riederer´s webfactory | DAFF - Dachverband der Burgenländischen Frauen-, Mädchen- und Familienberatungsstellen AGB | Impressum