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Frauen, gemeinsam verändern wir die Welt und uns selbst!

Vor 100 Jahren, am 19. März 1911, fand in Wien die erste große Demonstration für die Rechte von Frauen statt. An die 20.000 Personen ? mehrheitlich Frauen ? marschierten damals auf der Ringstraße zum Rathaus. Ihre Anliegen waren: allgemeines Frauenwahlrecht, Arbeitsschutzgesetze, Mutter- und Kinderschutz, 8-Stunden-Tag, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Senkung der Lebensmittelpreise,  Einführung einer Sozialversicherung,  Straffreiheit  des Schwangerschaftsabbruchs und die Verhinderung des sich am Horizont bereits abzeichnenden 1. Weltkrieges. Ähnliche Demonstrationen fanden im selben Jahr in Deutschland, der Schweiz, Dänemark und den USA statt.

Die Initiative zum Internationalen Frauentag kam von Clara Zetkin, die einen entsprechenden Antrag bei der II. Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen im Jahr 1910 eingebracht hatte. Es war dies der Beginn einer kämpferischen Frauentradition, die jedes Jahr am 8. März, dem Internationalen Frauentag, die Anliegen der Frauen in die Öffentlichkeit trägt.

Heute, 100 Jahre später, sind viele der damals eingeforderten Rechte umgesetzt, manche werden schon wieder in Frage gestellt, andere noch gar nicht eingelöst und viele neue Forderungen und Visionen sind dazugekommen.

Wir wissen, dass wir uns ? trotz aller Unterschiede ? nicht spalten lassen dürfen, wollen wir als gemeinsame Bewegung Kraft entfachen. Für uns gilt, was schon Audre Lorde, eine afroamerikanische Feministin, 1984 sagte: ?Ich bin nicht frei, solange eine einzige Frau unfrei ist, auch wenn sie ganz andere Ketten trägt als ich.?

Frau zu sein, darf kein Leben in Benachteiligung nach sich ziehen. Als Frau zu leben heißt, andere Vorstellungen von der Welt zu haben als die herrschenden.

 

Wir wollen in einer Welt leben, in der

Frauen selbstverständlich und in allen Bereichen von Gesellschaft und Politik mitentscheiden

Frauen und Männer gleich viel Geld und Macht besitzen

Frauen nicht auf unsere Körper und unsere Rolle als Mütter reduziert werden

Mutterschaft keine Armutsfalle ist

Frauen nicht so arm gehalten werden, dass sie gezwungen sind, unwürdige Abhängigkeiten und gesundheitsschädigende Arbeitsbedingungen einzugehen

Mädchen und Frauen ihre Geschichte kennen und über die Leistungen anderer Frauen Bescheid wissen

alle Menschen uneingeschränkten Zugang zu Bildung haben und Lebens- und Arbeitsverhältnisse bestehen, die dies ermöglichen

 

Wir wollen in einer Welt leben, in der

Frauenarbeit gleich viel wert ist wie Männerarbeit und unbezahlte Arbeit nicht automatisch Sache von Frauen ist

Frauen und Männer in gleichen Maßen für Erwerbseinkommen, Kindererziehung, Haus- und Pflegearbeit Verantwortung übernehmen und sich die gesamte Gesellschaft für das Wohl aller Kinder zuständig fühlt

alle Menschen das Recht auf eine gesicherte Existenz haben

drohende Arbeitslosigkeit nicht als Erpressungsmittel verwendet werden kann und in der arbeitsrechtliche Standards eingehalten werden

alle genug Zeit haben, sich zu erholen, ihr intellektuelles und kreatives Potential zu entfalten und ihre Beziehungen zu leben

Mensch-Sein nicht nur bedeutet, zu funktionieren oder zu konsumieren

 

Wir wollen in einer Welt leben, in der

Frauen vor Männergewalt geschützt sind

Frauenkörper nicht als Objekte in der Werbung verwendet werden

Frauen  nicht unablässig dem Diktat der Schönheits- und Modeindustrie ausgesetzt sind

wir lieben dürfen, wen wir wollen und zusammenleben können, mit wem wir wollen, ohne dadurch benachteiligt zu werden

in der niemand unser Recht in Frage stellt, selbst darüber zu entscheiden, ob und wie viele Kinder wir gebären wollen

 

Wir wollen in einer Welt leben in der

Bildung, Kunst und Kultur als menschliche Grundbedürfnisse verstanden werden, zugänglich allen Menschen unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Alter, geographischer und sozialer Herkunft

die patriarchale Kulturgeschichte im Bildungs- und Kunstbereich kritisch bearbeitet und umgeschrieben wird

zeitgenössischer Kunst zumindest gleich viele Ressourcen zugestanden werden wie traditioneller Kunst, um Künstlerinnen und Kulturarbeiterinnen Zugang auf allen Ebenen zu ermöglichen

 

Wir wollen in einer Welt leben, in der

Angehörige aller Kulturen selbstverständlich respektiert werden und Rassismus und  Abwertung anderer Kulturen nicht stattfinden dürfen

die Frauen = Menschenrechte eingehalten werden und deren Kenntnis zum Anforderungsprofil für die Tätigkeit als Politiker/in gehört

Menschen vor Diskriminierung und Verhetzung und der daraus folgenden politischen Praxis von Schubhaft, Ausweisung und Abschiebung geschützt sind

das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkünfte als Bereicherung erlebt und niemand illegalisiert wird

 

Wir wollen in einer Welt leben, in der

Waffenproduktion, Kriege und Überfalle auf andere Länder der Vergangenheit angehören

nicht alle drei Sekunden ein Kind stirbt, weil die Länder des Nordens seit Jahrhunderten jene des Südens ausplündern

die Profitinteressen von multinationalen Großkonzernen und der Finanzwirtschaft nicht unser aller Leben bestimmen

unser Leben kein Spielball der Schwankungen von Wirtschaftswachstum und Börsenkursen ist

internationale Solidarität gelebt wird

alles getan wird, um dem Klimawandel entgegenzuwirken und mit den Ressourcen der Erde schonend und sparsam umzugehen

 

Damit diese Welt mehr zu unserer wird, gehen wir gemeinsam auf die Straße und rufen alle Frauen dazu auf, sich zu beteiligen.

Setzen wir gemeinsam ein Signal für Frauenrechte!

Eine andere Welt ist möglich!

 Aufruf der Vorbereitungsplattform 100 Jahre Internationaler Frauentag www.20000frauen.at

 

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